Akzeptanz & Widerstandslosigkeit

„Er ist, wie er ist. Beobachte, wie der Verstand ihn benennt und wie dieser Vorgang des Benennens und ununterbrochenen Beurteilens Schmerz und Unglücklichsein erschafft. Wenn Du die Arbeitsweise des Verstandes beobachtest, dann trittst Du aus den Widerstandsmustern heraus und kannst endlich dem gegenwärtigen Moment erlauben, zu sein. Das wird Dir einen Geschmack vom Zustand innerer Unabhängigkeit von äußeren Bedingungen geben, vom Zustand des inneren Friedens. Und dann schau, was geschieht, und handle, falls notwendig oder möglich. Akzeptiere – und handle dann. Was immer der gegenwärtige Moment enthält, nimm es an, als hättest Du es selber so gewählt. Gehe mit, gehe nicht dagegen an. Mache den Moment zu Deinem Freund und Verbündeten, nicht zu Deinem Feind. Das wird auf wundersame Weise Dein ganzes Leben verwandeln.“

– Eckhard Tolle: Jetzt! –

Sosein-Lassen. Hingabe und Urvertrauen haben eine riesige Verwandlungskraft. Im Einklang sein mit dem strömenden Leben – sich nicht gegen alles lehnen und gegen alles kämpfen – darin steckt die eigentliche Magie.

Ja, das klingt erstmal ganz leicht, oder? Aber es ist trotzdem nichts für Hasenfüße. Wir sind so sehr gewöhnt gegen etwas zu sein, dass wir dabei nur allzuoft vergessen, wofür wir eigentlich sind.

In dieser Welt, auf Mutter Erde, strebt alles nach Harmonie. Auch dein Körper, dein System strebt nach Harmonie. Ungleichgewicht entsteht dort, wo diese natürliche Harmonie gestört ist. 

Das gesamte Universum basiert auf dem dynamischen Ausgleich der polarisierenden Strömungen in Natürlichkeit, Leichtigkeit, Harmonie und Liebe. Wie ein Fluss entspringen innerer Friede und innere Ruhe dem Nichts-Tun, dem Sein und nicht dem Tun. Ruhe ist die Grundlage der Bewegung. Auf Anspannung folgt sich dynamisch bewegend und ausgleichend Entspannung. Das Leben unterstützt das, was Leben fördert und wieder zurück in die Balance führt. 

Was immer den Lebensfluss blockiert, wird geschwächt und muss gehen, weil es das Leben selbst behindert. Es geht darum, den Dingen und Situationen im Leben auf eine natürliche Art und Weise, ihrer und unserer wahren Wesensnatur entsprechend, zu begegnen, ohne sie erzwingen zu wollen, dagegen anzukämpfen oder sie in ihrer Harmonie und in ihrem natürlichen Wandlungs- und Entfaltungsprozess zu stören.

Leben ist ein gegenseitiger Austausch, immerwährende Bewegung, sich fortwährend ausgleichend, sodass immer wieder Harmonie hergestellt wird. Es geht um das dynamische Zusammenspiel der Gegensätze im Einssein. 

Emotional schwierige Situationen sind oft intensiv und entwickeln eine Eigendynamik, die uns  in dem jeweiligen Moment überfordert. Wir handeln dann sofort oder gehen in den Widerstand, weil wir die Schwierigkeiten auflösen möchten. Und das am Liebsten sofort. In der Aktivität kann sich unsere Unruhe ausdrücken oder wir lenken uns von den unangenehmen Gefühlen ab. Oft entstehen durch überstürztes Handeln neue Schwierigkeiten. Wenn wir achtsam sind merken wir, ob unsere Aktivität der Situation angemessen ist oder ob wir uns dadurch nur von den negativen Gefühlen ablenken und innerlich beruhigen wollen.

Wenn wir uns im Hier und Jetzt befinden reagieren wir nicht aktiv auf Impulse durch Gedanken, Gefühle oder emotional aufgeladene Situationen.  Wir können die Situation beobachten und erhalten dadurch einen inneren Spielraum, unser Verhalten verantwortungsvoll und achtsam an die Situation anzupassen. 

m Fluss der Achtsamkeit und Hingabe erfahren wir uns als selbstbewusster, kompetenter und souveräner, weil wir von den Gedanken nicht gefangen, von den Gefühlen nicht überschwemmt und von den Empfindungen nicht überwältigt werden. Dadurch sind empfänglicher, verbundener und anwesender mit allem, was ist. 

Warum ist es klug, weise, hilfreich und unterstützend, die Dinge so sein lassen, wie sie sind?

Weil sie in dem gegenwärtigen Moment ihrer Entstehung sind, wie sie sind. Leben entfaltet sich von Augenblick zu Augenblick immer wieder neu. Und alles, was sich in diesem Moment zeigt, ist bereits da. Durch Widerstandslosigkeit und durch das radikale Annehmen und die Akzeptanz dessen, was ist, wird die Qualität unseres Bewusstseins und damit auch die Qualität all dessen, was wir tun oder erschaffen, gesteigert. Was daraus entsteht, spiegelt diese Qualität wieder. Wir können es als Handeln durch Hingabe bezeichnen. In Hingabe zu sein heißt, in Inspiration, im Fluss zu sein. 

Diese Geistes- und Herzensqualität zeugt von dem Mut, sich die weibliche Energie zunutze zu machen, sich zu öffnen und von unserer inneren Weisheit führen zu lassen. Und diese Hingabe rührt vom Mut unserer weiblichen Energie, die erkennt, dass die Wahrheit aller Heilung, allen Friedens und allen Wachtsums in Verbundenheit und Integration liegt. Wir integrieren das, was uns gegeben wird und gehen weiter. Diese Hingabe besteht in der einfachen, aber tiefgreifenden Weisheit, sich dem Strom des Lebens, dem Friedensfluss, widerstandslos anzuvertrauen, als sich ihm zu widersetzen oder dagegen anzukämpfen und sinnlos Energie zu verschwenden, wenn wir es nicht (ver)ändern können. Der einzige Moment und der Ort, an dem wir den Strom des Lebens erfahren können, ist die Gegenwart, das Jetzt. Hingabe bedeutet, den gegenwärtigen Augenblick ohne Bedingungen und Vorbehalte anzunehmen und den inneren Widerstand gegen das, was ist, aufzugeben. 

Transformation geschieht immer dann, wenn wir uns nicht mehr mit unseren Gedanken und Gefühlen identifizieren, sondern sie willkommen heißen und einfach sein lassen.

Das Lerngeschenk für uns liegt darin, zu erkennen, dass es keine Probleme gibt. Es gibt nur Situationen, denen wir entweder sofort Beachtung schenken, weil etwas in uns dazu in Resonanz geht oder die wir einfach sein lassen können. 

Wir können die Dinge so annehmen und sie sein lassen, oder wir entscheiden uns dazu Einfluss zu. nehmen und uns zu „kümmern“.

Aber vorher dürfen wir uns die Fragen stellen:

Worauf können wir Einfluss nehmen? Was ist veränderbar? Was nicht? 

Das bedeutet, etwas bewusst zu verändern, wenn wir es ändern können. Und wenn wir es nicht verändern können, unsere innere Weisheit zu nutzen, es einfach sein zu lassen bzw. fließen zu lassen. Wir übergeben es dem Fluss des Lebens, damit es sich wieder (ver-)wandeln oder auflösen kann. Die Wesensnatur des Flusses möchte uns immer aus festgefahrenen Situationen oder Blockaden herausführen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Qualität  ausrichten, wird sich die Situation, die Blockade oder der Schmerz auflösen, und wir werden wieder in den Fluss zurückkehren.

Was wir auf Körperebene machen können:

Nicht wertende Körperwahrnehmung verbindet uns mit der Gegenwart und der unmittelbaren Umgebung. Dadurch können wir Gefühle und Gedanken trotz ihrer flüchtigen und wuchernden Qualität im Konkreten verankern. 

Wenn wir unsere Körperwahrnehmung erkunden und stärken, können wir uns entlasten, weil wir so neben den tobenden Gefühlen und quälenden Gedanken eine neutrale Wahrnehmungsebene schaffen. Die Körperwahrnehmung bildet eine Schale, worin die Gefühle und Gedanken sich bewegen oder sogar toben dürfen. Die Schale ruht in der Gegenwart und behält den Bezug zur konkreten Umgebung. Eine neutrale Wahrnehmungsebene hilft uns, in jeder Situation innezuhalten, wahrzunehmen und Veränderungen zu beobachten. Sobald es uns mit der Aufmerksamkeit zu sehr ins Innere der Schale zieht, achten wir wieder auf neutrale körperliche Empfindungen. Das heißt: Sobald wir beginnen, uns mit den Gefühlen und Gedanken zu identifizieren, nehmen wir durch den Kontakt zum Körper innerlich wieder etwas Abstand.

Die Magie des Fließens und die Kraft des Wassers symbolisieren den ewigen Kreislauf der Natur. Die Reinheit des Wassers ist die heilige, fließende Lebenskraft, die alles miteinander verbindet. Alles Leben kommt aus ihm. Wasser ist Leben. Wie die Liebe nimmt es bedingungsfrei alles auf, was wir hineingeben, trägt es durch Raum und Zeit und gleicht alles aus. Wenn wir uns mit dem Wasserelement verbinden, verbinden wir uns mit der ewigen Quelle allen Lebens, und alles kommt zurück in den Fluss. Von dieser Urkraft der Mutter Erde dürfen wir uns gehalten und getragen fühlen. Wasser balanciert und reinigt uns und verbindet uns wieder mit der Liebe und Harmonie zum Leben. Wasser ist grenzenlose Liebe, Weisheit und Schöpferkraft. Die harmonisierende Energie führt uns zu dem Ort, wo wir den Himmel auf Erden erfahren – zu uns selbst. Das Einssein ist in uns. 

Es ist sowohl unser Zuhause als auch der Weg, der uns wieder in den Friedenfluss des Lebens und damit nach Hause zu unserer Wesensnatur bringt.

Wenn wir in unserer weiblichen Energie zentriert sind, stärkt dies unser Urvertrauen und es fällt uns leichter, inmitten der Ungewissheit, der Unsicherheit, der Unvollkommenheit und den Schwierigkeiten des Lebens zu sein und in unserer Mitte gefestigt und doch beweglich zu bleiben. Wir erlauben das Leben. Und das Leben erlaubt uns. Wir können uns dem Friedensfluss des Lebens vertrauensvoll hingeben. 

In anderen Momenten ist manchmal die feste Entschlossenheit und Tatkraft der männlichen Energie gefragt. Wenn wir in unserer männlichen Energie zentriert sind, fällt es uns leicht, proaktiv zu sein, die Geschehnisse liebevoll zu beeinflussen, ihnen eine Richtung zu geben und voller Energie mitzugestalten. Sind wir im inneren Gleichgewicht und in unserer Mitte, spüren wir, wann es angemessen ist, uns unserer weiblichen Energie hinzugeben und wann es ratsam ist, uns in unserer männlichen Energie zu zentrieren. Auch hier erweist sich eine nicht-urteilende Achtsamkeitspause, die Ruhe in der Bewegung, als weise, um in jeder Situation ihre Einzigartigkeit und ihren Fluss zu erkennen. Mit einem offenen Gewahrsein lässt sich mitfühlend erspüren, was ein kluger nächster Schritt im Hier und Jetzt sein könnte und was es braucht, um wieder im Einklang mit den inneren und äußeren Kräften und im Friedensfluss zu sein.