Wo ist die Freiheit geblieben?

Die Welt war immer schon irgendwie verrückt. Jeder hat in seiner Zeit gesagt: so geht es nicht weiter. Das gehört irgendwie zu unserer Menschheit.

Ich denke das auch manchmal und ich glaube auch daran, dass manche Dinge Verbesserungen bringen und manche eben nicht. Social Media zum Beispiel. Das zweischneidige Schwert. Im großen weiten Internet, das dreischneidige Schwert. Hier wird nichts je vergessen, hier lebst du als kleiner Kopf in einer unendlichen Weite voller Scorings.

Und in dieser Welt ist etwas wichtig: du MUSST dich zeigen. Das erzählt dir jeder Coach, der diese Welt zu seinem geldbringenden Beruf gemacht hat. Du musst dir geniale Settings aufbauen, die anders sind, die noch keiner hat. Die Fotos müssen von hoher Qualität sein, und du musst dich von deiner besten Seite zeigen. Die Videos (also diese 30sekündigen Gehirneindampfer) müssen natürlich noch besser sein, witzig noch dazu, damit sie „viral“ gehen.

Und diese Aussagen haben dazu geführt, dass du jetzt durch Instagram scrollen kannst und lauter hochqualitative Fotos von fremdem Köpfen sehen kannst, die lächelnd oder weinend – oder so – in die Kamera schauen. Das ist alles inzwischen so verzerrt, dass sich manche von diesen Influencern vor ihre tollen Settings setzen und eine Runde laut schluchzen. Damit wollen sie dann aussagen, dass sie nicht immer nur in ihrem Leben lächeln. Ja, wer hätte das gedacht? Dass Menschen nicht den ganzen Tag, jeden Tag, 365 Tage im Jahr crazy lächelnd durch ihren Alltag spazieren? Uff. Eine echte Neuigkeit, oder?

Du siehst also diese ganzen tollen Fotos von vermeintlich tolle Menschen, du hast überhaupt keinen Bezug zu all diesen fremden Köpfen, aber du verteilst vielleicht Herzen, weil der so eine nette Nase hat und weil sie so schön liegendes Haar hat. Du folgst vielleicht sogar einigen von ihnen einfach deshalb, weil sie hübsch aussehen. Oder weil sie so schrecklich sind.

Die Menschen sind schon immer zwei verschiedenen Dingen gefolgt: den wirklich schönen Dingen oder den krankhaft verzerrten Bildern. Jemand, der sich absichtlich grässlich darstellt hat ebenfalls viele tausend Follower, weil das so duschgeknallt ist, dass man das einfach anschauen muss. Du hast das bestimmt schonmal beobachtet oder bei dir selbst festgestellt: Wenn was wirklich Schreckliches da ist, was richtig Ekelhaftes, dann kannst du fast nicht wegschauen, oder?

Wenn du also als Coach/in oder als Schaman/in erfolgreich sein willst in dieser interessanten Welt zu dieser spannenden Zeit, dann MUSST du dich also zeigen.

Musst du das wirklich? Stellen die Menschen tatsächlich einen Bezug zu dir her und buchen dich, weil sie deinen freundlichen lächelnden Kopf irgendwo sehen?

Wo ist die Freiheit geblieben das zu zeigen, was gerade aus dem Herzen springt? Das Gras im Vorgarten, so schön mit den dicken Tautropfen? Den Hund, der so lustig durch die Gegend rennt? Den Vogel, der so fröhlich zwitschert? Vielleicht fühlst du dich einfach nicht jeden Tag danach, ein Foto von dir zu machen oder eins zu posten. Mut zur Hässlichkeit – ich poste halt alles ganz ehrlich, wie es gerade kommt?? Fühlst du dich damit wirklich frei? Und wieviel Freiheit lässt uns Social Media überhaupt noch? Vielleicht engt uns das alles unfassbar stark ein, aber wir sind es so gewöhnt, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen. Könnte das nicht sein?

Vielleicht ist es an der Zeit die Freiheit wiederzuentdecken. Und sie wieder zu erlernen. Vielleicht.

Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich weiß aber, dass ich meine Freiheit neu entdecken darf. Mit allem, was für mich dazugehört.

Weißt du, was für dich dazugehört?

Ich danke dir für deine Aufmerksamkeit.

Und vielleicht sehen wir uns, irgendwo im WWW-Dschungel – oder sogar live und in Farbe, so zum anfassen und so. Das wär schön.

Bis bald, deine Susanne